Adipositas – mehr als nur eine Frage der Willenskraft
- Taraneh Motakef

- 28. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. Juli

Menschen mit Adipositas hören häufig gut gemeinte Ratschläge wie: „Sie müssen sich einfach mehr bewegen“ oder „Essen Sie einfach weniger.“ Diese Sichtweise greift jedoch zu kurz. Heute gilt Adipositas als chronische Erkrankung, bei deren Entstehung biologische, psychologische und soziale Faktoren zusammenwirken.
Warum fällt eine Gewichtsabnahme vielen Menschen so schwer?
Körpergewicht wird nicht allein durch Willenskraft bestimmt. Genetische Veranlagung, hormonelle Prozesse, Stress, Schlaf, Medikamente, das persönliche Umfeld und emotionale Belastungen beeinflussen unser Essverhalten und den Energiehaushalt.
Viele Betroffene erleben zudem einen belastenden Kreislauf: Essen dient kurzfristig der Regulation von Stress, Frustration oder Einsamkeit. Anschließend folgen Schuldgefühle oder Selbstvorwürfe, die den Leidensdruck weiter erhöhen und emotionales Essen zusätzlich begünstigen können.
Welche Rolle spielt die Psychotherapie?
Psychotherapie setzt dort an, wo Diäten häufig an ihre Grenzen stoßen. Ziel ist es nicht, Verbote aufzustellen oder kurzfristige Erfolge zu erzielen, sondern die individuellen Ursachen und aufrechterhaltenden Faktoren besser zu verstehen.
Gemeinsam können wir beispielsweise folgende Fragen betrachten:
Welche Situationen führen dazu, dass Sie essen, obwohl kein körperlicher Hunger besteht?
Welche Gedanken und Gefühle beeinflussen Ihr Essverhalten?
Wie gehen Sie mit Stress, Überforderung oder negativen Emotionen um?
Welche Gewohnheiten haben sich über viele Jahre entwickelt?
Durch das Erkennen dieser Zusammenhänge können neue Strategien entstehen, die langfristig im Alltag umsetzbar sind.
Psychische Gesundheit und Adipositas
Viele Menschen mit Adipositas leiden zusätzlich unter Depressionen, Ängsten, chronischem Stress oder einem verminderten Selbstwertgefühl. Gleichzeitig können Vorurteile und Stigmatisierung die psychische Belastung erheblich verstärken.
Eine psychotherapeutische Begleitung kann helfen, diesen Kreislauf zu durchbrechen, den Umgang mit belastenden Emotionen zu verändern und einen achtsameren sowie mitfühlenderen Umgang mit sich selbst zu entwickeln.
Nachhaltige Veränderungen brauchen Zeit
Langfristige Veränderungen entstehen selten durch kurzfristige Diäten oder strenge Regeln. Häufig sind kleine, realistische Schritte erfolgreicher als radikale Veränderungen.
Psychotherapie verfolgt deshalb das Ziel, neue Denk- und Verhaltensmuster zu entwickeln, die dauerhaft in den Alltag integriert werden können. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht Perfektion, sondern nachhaltige Veränderungen und die Förderung Ihrer psychischen Gesundheit.
Fazit
Adipositas ist eine komplexe Erkrankung, die weit über Ernährung und Bewegung hinausgeht. Eine psychotherapeutische Begleitung kann dabei unterstützen, die individuellen Zusammenhänge besser zu verstehen, belastende Muster zu verändern und langfristig einen gesünderen Umgang mit sich selbst zu entwickeln.


